Meeting 2014

Tag:                            21. / 22. November 2014
Ort:                             Deutsches Musicalarchiv
                                   Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg
                                   Rosastraße 17-19
                                   79098 Freiburg i.Br.

Programm / Zeitablauf

21. November 2014
13.30 Uhr                   Beginn
14.00 Uhr                   Begrüßung Dr. Dr. Michael Fischer
                                   (Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik)
                                   und Dr. Wolfgang Jansen
                                   (Vorsitzender der Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs)

14.15 UhrVortrag
PlanggDie musikalische Leitung von Musicals im subventionierten deutschen Theaterbetrieb: ein Dilemma
Wie verhält sich ein Dirigent, der Musicals liebt und seine Arbeit ernst nimmt, wenn er es an den deutschsprachigen Stadttheatern mit meist ausschließlich auf das klassisch-romantische Repertoire ausgerichteten Orchestern,musikalisch halbgebildeten, des Notenlesens nur peripher kundigen, zur Improvisationslust neigenden Jazz- undRockmusikern sowie des Deutschen lediglich gebrochen mächtigen, im Musicalgesang gar nicht, im Operngesang umso umfänglicher ausgebildeten Sängern zu tun hat? Wenn die Tonanlage samt ihrer Bedienungscrew nicht in der Lage ist, eine Vorstellung ohne Tonausfälle, Rückkoppelungen und Nebengeräusche stattfinden zu lassen? Wenn Intendanten, Opern-  und Verwaltungsdirektoren die Dringlichkeit eines finanziellen Einsatzes in die technische Ausstattung einer Musicalproduktion nicht einsehen, weil dies das bereits verplante Geld für die nächste große Opernproduktion verringerte?  
Referent: Volker M. Plangg
Dirigent, Komponist, Musiklektor

15.15 UhrVortrag
GroschMusikalische Erzähltechniken im Musical
Überlegungen zur Narration eines Genres der anderen Dramaturgie
Der Vortrag fragt nach der Bedeutung von Handlung und Narration im populären Musiktheater und hinterfragt die Behauptung, die Entwicklung von Handlung und die "Integration" der einzelnen konstitutiven Elemente, insbesondere der musikalischen Nummern, sei entscheidend für die Qualität und den Erfolg einer Produktion.
Referent: Prof. Dr. Nils Grosch
Musikwissenschaftler, Universität Salzburg

16.15 - 16.45 Uhr      Kaffeepause

16.45 UhrVortrag
AdenbergPutting it together
Einblicke in die Autorenwerkstatt 

Wolfgang Adenberg ist als Übersetzer von großen Erfolgsmusicals wie We Will Rock You, Love Never Dies, Die letzten 5 Jahre und über dreißig weiteren bekannt. Nicht minder erfolgreich ist er aber als Autor eigener Werke, die regelmäßig auf den Spielplänen deutschsprachiger Theater stehen. In diesem Vortrag erzählt er, wie seine Musicals und Übersetzungen entstehen, wie sein gewundener Weg zum Theater verlief und welche Geheimnisse hinter einem wirkungsvollen Bühnensong stecken.
Referent: Wolfgang Adenberg
Musicalautor und -übersetzer

17.45 UhGet-together

22. November 2014
10.30 UhrVortrag
Zagozdzon Das klingt so wie damals
Auf der Suche nach dem historischen Broadway-Sound
"Broadway Baby" aus Follies, "One" aus A Chorus Line oder "That Face" aus The Producers - Songs wie diese klingen so gar nicht nach der Zeit, in der sie eigentlich entstanden sind. Viel eher klingen sie nach "damals", nach der Zeit der großen Book Musicals und Revuen: als namhafte Stars wie Ethel Merman und Vernon Drake am Broadway auftraten, als Fred Astaire und Ginger Rogers im Film singend und tanzend über das Parkett glitten und als es im Orchestergraben der Musicaltheater noch richtige Orchester bzw. Bands gab. Dass sich beim Hören solche Assoziationen einstellen ist durchaus beabsichtigt - doch es stellt sich die Frage: wie kommt es dazu? Um dies zubeantworten ist es zunächst nötig, sich auf die Suche nach den Merkmalen des damaligen Klangs zu begeben. Diese Suche ist jedoch nicht unproblematisch und sie führt in eine Zeit, als das Musical gerade begann aufzublühen, als es imOrchestergraben zu verbissen geführten ideologischen Kämpfen kam und ein Mann quasi im  Alleingang den Sound des Broadways bestimmte.
Referentin: Agnieszka Zagozdzon
Musikwissenschaftlerin, Musikjournalistin

11.30 UhrVortrag
KockI remember it well
Zur Geschichte des Studiengangs Musical/Show an der
Universität der Künste Berlin

Peter Kock, 1947 in Kiel geboren, hat Schauspiel und Theaterwissenschaft in Berlin studiert, bei Wolfgang Staudte und George Tabori gespielt, hat Kinder- und Jugendtheater, dann Schauspiel und Oper inszeniert, war Oberspielleiter in Tübingen und Heidelberg und wurde 1990 berufen, mit Stanley Walden ein neues Hochschulgenre zu installieren: das des Musicaldarstellers. Nach über 20 Jahren Studiengangleitung - in den letzten Jahren schon gemeinsam mit Peter Lund - wurde der "Professor für Spiel und Darstellung" zum Herbst 2013 in den Ruhestand verabschiedet. Zeit, sich an die Anfänge zu erinnern. Ganz subjektiv, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem schönsten Gewissen als Ruhekissen, das Birgit Walter im Interview für die Berliner Zeitung so zusammenfasst: " Herr Prof. Kock, Sie haben den Studiengang Musical/Show vor 24 Jahren begründet, weil es in Deutschland kaum professionelle Darsteller für die Branche gab. Heute gibt es kaum gute Stücke, aber überall Spitzendarsteller. Sie haben Ihre Mission übererfüllt!"
Referent: Prof. Peter Kock
Schauspieler, Regisseur, Mitbegründer des Studiengangs Musical/Show an der Universität der Künste Berlin

12.30 - 13.00 Uhr      Kaffeepause

13.00 UhrVortrag
JansenOperette oder Musical?
Zum populären Musiktheater in der frühen DDR
Nach 1945 war es den DDR-Verantwortlichen sehr bald klar, dass die Geschichten, die in den tradierten Operetten erzählt werden, kaum mit dem Aufbau des Sozialismus in Übereinstimmung zubbringen seien. Zwangsläufig entstand ein Bedarf an neuen, zeitgerechten Werken, den man zudem  durch den Impoprt aus dem sozialistischen Ausland zu befriedigen suchte. Der Vortrag, unterlegt mit ausgesuchten Musikbeispielen, geht der Frage nach, ob es in diesem Kontext zur Entstehung einer"sozialistischen Operette" gekommen ist, und ob möglicherweise die Autoren und Komponisten bei ihren Bemühungen, den Werken einen höheren realistischen Gehalt zu geben, die neuen Stücke gleichsam gegen ihre Absicht in Richtung des (lange Zeit abgelehnten) Musicals öffneten.
Referent: Dr. Wolfgang Jansen
Theaterwissenschaftler, Universität der Künste Berlin

14.00 Uhr                  Ende der Veranstaltung