Meeting 2018

Am 9./10. März 2018 veranstaltet die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Zentrum für Populäre Kultur und Musik, zusammen mit den Freunden und Förderern des Deutschen Musicalarchivs ihr Jahresmeeting. Durchgeführt wird es dieses Mal in Kooperation mit dem Carl-Schurz-Haus in Freiburg i.Br.

Tag:                             09./10. März 2018
Ort:                             Carl-Schurz-Haus
                                   Eisenbahnstraße 62
                                   79098 Freiburg i.Br.

Thema:
Musicals auf der Amateurbühne: Geschichte, Befunde, Perspektiven

Die Hamburger Cats-Premiere am 18. April 1986 gilt gemeinhin als wegweisende Initialzündung einer neuen deutschen Musicalkultur. Im Zuge dessen hat sich seither im nicht-professionellen Theater eine Parallelentwicklung etabliert, denn auf vielen Amateurbühnen in Deutschland konnten Musicalproduktionen von Laienensembles gleichfalls einen großen Popularitätszuwachs verzeichnen.
Waren es anfangs vorwiegend Theater-AGs an Gymnasien, geleitet von musicalbegeisterten Englisch- oder Musiklehrern, folgten in den 1990ern sukzessive Sekundar- und Grundschulen, Freilichtbühnen, Studiobühnen an Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen sowie ambitionierte Sportvereine, kommunalen Musikschulen oder freie, nicht-institutionalisierte Musicalensembles. Vergleichbar mit den „amateur musical movements“ in den USA – dort bereits beginnend Ende der 1950er Jahre – und in Großbritannien kommen heute auf Deutschlands Laienbühnen sowohl Broadway- und Westend-Hits zur Aufführung als auch spezielle Kinder-, Jugend- und Schulmusicals sowie in wachsender Zahl auch kreative Eigenproduktionen. Und die Tatsache, dass Andrew Lloyd Webbers Really Useful Group seit 2011 mit der Webseite „Stageamusical.com“ seine Musicalshows weltweit für den Amateursektor vermarktet, zeigt, dass in der nicht- bzw. semi-professionellen Theaterszene nicht nur eine begeisterte Nachfrage nach populären Musicals besteht, sondern mit der Vergabe von Aufführungsrechten offenbar auch beträchtliche Gewinne zu erzielen sind.
Das Jahresmeeting 2018 der Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs nähert sich dem Phänomen „Musicals auf der Amateurbühne“ aus unterschiedlicher Perspektive: Neben der Frage nach den vielfältigen kultur- und sozialgeschichtlichen Ursprüngen des Amateur(Musik-)Theaters in Deutschland werden ebenso neuere empirische Befunde zur Diskussion gestellt und kritisch erörtert, inwiefern das – derzeit verfügbare und allgemein bekannte – Stückerepertoire für laienkulturelle Musicalproduktionen prinzipiell geeignet ist. Überdies berichten praxiserfahrene Leiter/innen bzw. Regisseure von Amateurproduktionen im Schul- und Hochschulbereich detailliert von den institutionellen Rahmen- und Gelingensbedingungen erfolgreicher Laienproduktionen. Und es wird immer wieder zu fragen sein, wie viel gesangspädagogische, schauspielerische, tänzerisch-choreographische und inszenatorische Professionalität vonnöten ist, um mit Amateurdarstellern/innen sowie (meistenteils) nicht-professionellen Musikern, Kostüm- und Bühnenbildnern, Technikern etc. Musicalshows bühnen- und publikumswirksam inszenieren zu können.

Programm / Zeitablauf
9. März 2018
14.00 Uhr                   Beginn
14.15 Uhr                   Begrüßung
Dr. Dr. Michael Fischer (Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik/Deutsches Musicalarchiv), Friederike Schulte (Carl-Schurz-Haus) und Dr. Wolfgang Jansen (Vorsitzender der Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs)

14.30 UhrVortrag
Kock„Dilettanten“ auf der Musiktheaterbühne:
Eine amateurkulturelle Retrospektive und Forschungsskizze

Mit gegenwärtig 83 Staats-, Stadt- und Städteverbundtheatern, auf denen 2011/12 rund ein Drittel aller weltweit inszenierten Opern und Operetten aufgeführt wurden, sowie zehn privatwirtschaftlichen Musicalbühnen rangiert Deutschland international an vorderster Stelle des professionellen Musiktheatermarktes (vgl. A. Jacobshagen, 2013). Die hiesige Musiktheaterlandschaft ist jedoch zugleich geprägt von einer traditionsreichen, bis ins späte 18. Jahrhundert zurückreichenden und bis heute lebendigen und vielgestaltigen musiktheatralen Amateur- bzw. Volkskultur, die nirgends statistisch erfasst wird und derzeit nur in Ansätzen wissenschaftlich erforscht ist. Der Vortrag thematisiert in Form einer Forschungsskizze u. a. die historische Entwicklung des musikalischen Laientheaters im deutschsprachigen Raum, fokussiert ausgewählte regional- bzw. stadtkulturelle Besonderheiten, gibt einen Einblick in gattungsspezifische Sonderformen (z. B. Dilettantenoper, Liedertafeloperette, Schul- und Kindermusical) und zeigt exemplarisch bisherige Ergebnisse, Desiderate und Perspektiven einer interdisziplinär ausgerichteten Amateurmusiktheater-Forschung auf.
Referent: Prof. Dr. Thomas Krettenauer
Musikwissenschaftler und Lehrstuhlinhaber für Musikdidaktik an der Universität Paderborn

15.30 UhrVortrag
SimmlerSchlossfestspiele Biedenkopf – Amateure in der Verantwortung
Bei den Schlossfestspielen Biedenkopf wird seit 2013 jährlich eine große Musicalproduktion mit ca. 50 Darstellern aufgeführt. Zwei Besonderheiten prägen die Schlossfestspiele Biedenkopf. Zum einen handelt es sich jeweils um ein Auftragswerk zu einem Stoff mit regionaler Anbindung. Zum anderen spielen maximal eine Handvoll Profis gleichberechtigt an der Seite von Amateuren. Die Anleitung erfolgt durch ein national, z.T. international durchgesetztes Kreativteam aus Regie, Choreografie, musikalische Leitung/Komposition.
Birgit Simmler, Gründungsintendantin der Schlossfestspiele Biedenkopf und nun künstlerische Intendanz der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel, spricht darüber, wie mit diesen Grundvoraussetzungen ein künstlerisch hochwertiges Musical entsteht, über planerische Details der Probendisposition, Fordern und Fördern, die drei Sparten Spiel – Gesang – Tanz, und ein aneinander Wachsen aller Akteure.
Referentin: Birgit Simmler
Regisseurin und Leiterin der Schlossfestspiele Biedenkopf (bis 2017; ab 2018 in Wunsiedel)

16.30 - 17.00 Uhr      Kaffeepause

17.00 UhrVortrag
SchoenebeckSchulmusicals: Einführung in die Unterhaltungskunst?
Seit fast 30 Jahren boomt das Musical auch an deutschen Schulen. Allgemeinbildende wie Musikschulen profilieren sich mit Aufführungen von Kindermusicals und Adaptionen „großer“ Werke, neuerdings auch mit komplett selbstgeschriebenen Stücken. Jenseits einer Bestandsaufnahme bleibt zu fragen, was da genau geschieht und zu welchen Zwecken. Die Funktionalisierung des Genres Musical für pädagogische Gebrauchszusammenhänge widerspricht oft dem ästhetischen Anspruch des Musicals als Unterhaltungskunst. Abhilfe ist nur durch künstlerische Professionalität auf allen Ebenen zu schaffen.
Referentin: Prof. Dr. Mechthild von Schoenebeck
em. Professorin für Musikpädagogik der Universität Dortmund

18.00 Uhr                   Get together

10. März 2018
10.30 UhrVortrag
PfeifferMusicalproduktionen als Angebot im Lehramtsstudium
Seit 2002 werden im zweijährigen Turnus an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Musicals mit Lehramtsstudierenden produziert. Die Musicals haben inzwischen eine überregionale Bekanntheit erlangt, die 28 Shows der letzten Produktion „Natürlich Blond“ haben 20.000 Zuschauer besucht. Im Beitrag wird dargestellt, wie innerhalb des Studienangebots die Studierenden durch eine Teilnahme an einer Musicalproduktion sowohl ihre musikalisch-künstlerischen Kompetenzen erweitern als auch Erfahrungen bezüglich der Organisation und Durchführung bis hin zur medialen Vermarktung einer solchen Produktion erwerben können.
Referent: Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer
Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Universität Nürnberg-Erlangen

11.30 UhrVortrag
KochMusikalische Konzeptionen und gesangspädagogische Ansätze in der Erarbeitung von Musicals mit Amateuren
Wie entwickelt sich aus dem vorhandenen musikalischen (vorrangig für Profis erstellten) Material eine (Musical-)Show, ausgeführt von Amateuren? Einblicke in die verschiedenen Facetten und Arbeitsschritte der konzeptionellen und praktischen musikalischen Arbeit im Rahmen einer Musicalproduktion mit Amateurensembles.

Referentin: Svenia Koch
Musiklehrerin, musikalische Leiterin von Kindermusicals und selbst seit gut zwei Jahrzehnten als Laiendarstellerin aktiv

12.30 - 13.00 Uhr      Kaffeepause

13.00 UhrVortrag
HeineMONDO – klein, aber fein. Konzipierung eigener Stücke im Spannungsfeld zwischen theaterpädagogischer Arbeit und professionellem Anspruch
Bei MONDO, der Musiktheatertruppe des Studierendenwerks Freiburg, ist das Ensemble von Anfang an in den ganzheitlichen Entstehungsprozess der Bühnenproduktion mit eingebunden. Konzeption, Charaktere, Texte – innerhalb des vom professionellen Regieteam gegebenen Rahmens gestalten sie alles mit. So wird das Herz von MONDO, das Erzählen von eigenen Geschichten, gerne studentisch und mit Lokalkolorit, auch ganz zum äußeren Format. Und genau das ist es, was die äußerst niveauvollen Produktionen so originell und lebendig macht.
Referentin: Stephanie Heine
Theaterregisseurin und Leiterin der MONDO Musical Group der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

14.00 Uhr                 Ende der Veranstaltung